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ALARM news
Auch Palmen sind Zeugen des Klimawandels
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 Date: 2007-06-12
 

Im Rahmen des ALARM Projekts werden u.a. die Auswirkungen der laufenden Klimaerwärmung auf die Zusammensetzung und Verbreitung der Vegetation untersucht. Wie eine Forschergruppe um den Pflanzenökologen Privatdozent Dr. Gian-Reto Walther (Universität Bayreuth) nun herausgefunden hat, befindet sich unter den vom Klimawandel begünstigten Arten auch eine Palmenart (Trachycarpus fortunei).

Diese aus Südostasien eingeführte Art konnte zwar lange Zeit in den Gärten und Parks unter der Obhut des Menschen überleben, es gelang ihr aber nicht, sich erfolgreich außerhalb der Gärten in Konkurrenz zu den einheimischen Arten anzusiedeln.

Erst die milderen Winter der jüngsten Vergangenheit erlaubten es dieser Palmenart, aus den Gärten zu verwildern. Seit wenigen Jahrzehnten gelingt es dieser Art, in den Wäldern Fuß zu fassen, aufzuwachsen und sich auch außerhalb der Gärten zu verjüngen. Dies wurde an verschiedenen Stellen am Alpensüdfuß im Grenzgebiet der Schweiz und Norditaliens nachgewiesen. Dort befindet sich mittlerweile die neue weltweit nördlichste freiwachsende Palmenpopulation.

Aber nicht nur auf der Alpensüdseite, auch nördlich der Alpen ist der Klimawandel spürbar. Die in den Gärten gepflanzten Palmen brauchen im Winter immer weniger geschützt zu werden, bzw. überleben den Winter in Westdeutschland ungeschützt im Freien. Auch dort zeigen ältere Exemplare bereits Blüten- und Fruchtstände, und Sämlinge finden sich mancherorts unter adulten Palmen. Dieses Frühstadium der Verjüngung in Gärten wurde auch südlich der Alpen zu Beginn des 20. Jahrhunderts beobachtet, reichte aber noch nicht aus, um die Verwilderung in umliegende Wälder erfolgreich einzuleiten.

Erst mit der weiteren Erwärmung im Verlauf des letzten Jahrhunderts wurden die klimatischen Bedingungen für das Überleben der verwilderten Palmen in den Wäldern.

zusehends günstiger. Mit dem für dieses Jahrhundert prognostizierten Klimawandel ist allerdings auch nördlich der Alpen damit zu rechnen, dass ähnlich wie im Süden die Bedingungen für die Palmen zusehends günstiger werden.

Die Trachycarpus-Palme wird aufgrund ihrer Winterhärte in vielen Regionen der Erde im Grenzgebiet der globalen Palmenverbreitung angepflanzt. Damit kann über Kontinente hinweg der laufende und zu erwartende Klimawandel an ein und derselben Pflanzenart beobachtet werden: Die Palme wird somit zum Indikator und Zeugen der globalen Klimaerwärmung.

Originalveröffentlichung:
Walther, G.-R.; Gritti, E.S.; Berger, S.; Hickler, T.; Tang, Z. & Sykes, M.T. (2007) Palms tracking climate change. Global Ecology and Biogeography, OnlineEarly article: doi: 10.1111/j.1466-8238.2007.00328.x

Kontaktadresse:
PD Dr. Gian-Reto Walther

Universität Bayreuth
Lehrstuhl für Pflanzenökologie
Telefon (0921) 55-2575
e-mail: gian-reto.walther@uni-bayreuth.de

Das Bild zeigt den Fruchtstand von Trachycarpus fortunei (Foto: G.-R. Walther Bild/zur Veröffentlichung mit Autorenangabe frei - druckbare Version mit 300 dpi kann per e-mail bei pressestelle@uni-bayreuth.de angefordert werden).

 

 
 Contract number: GOCE-CT-2003-506675